Berufliche Neuorientierung nach Burnout

Der Stress auf den Arbeitsmärkten nimmt zu.  Ein neues Wort macht die Runde: „Corona-Burnout“. Doch was ist Neues dran? Und welche Impulse kann ein bewältigter Burnout für das Berufsleben geben?

Burnout ist mehr ein Phänomen als eine Krankheit. Es ist der Zustand chronischer Erschöpfung. Als Ursache wird meist ein Dauerstress im Beruf genannt. Der anhaltende Druck befeuert den negativen Stress. Negativ ist der Stress dann, wenn er wiederholt zur Überforderung führt. Sich dauerhaft überfordert fühlen, führt bei einigen nach gewisser Zeit zur psychischen Krankheit.

In den letzen Jahren haben wir viel über die Krankheitsbilder gelesen, die aus einem Burnout erwachsen. Die Krankheit kostet dem Menschen Lebensqualität. Unternehmen zahlen Unsummen für den Ausfall wichtiger Mitarbeiter. Daher ist das Interessse an Behandlungsmethoden groß. Um die Situation zu bewältigen, werden Berufstätige unterstützt, die Ressourcen oder Resilienz zu stärken. Aber was kommt dann nach der Gesundheitskrise? Erfahren die Betroffenen genug über die Ursachen? Oder werden sie in erster Hinsicht fit für den alten Job gemacht? Sollte ein Burnout zur Chance für eine innere Neuorientierung werden?

Burnout ist nicht Burnout

Das alles frage ich ohne Ironie. Denn ich selbst bin ein Mann mit Burnout-Vergangenheit. Wer erst einmal ein Burnout hat, wird in ihn nicht so schnell los. In gewisser Weise lernen wir damit leben, wie mit einem Virus. Nur das diese Art von Virus durchaus eine Chance darstellen kann.

Weil mich das Thema also sowohl persönlich als auch beruflich interessiert, besuche ich vor Corona einen Kurs bei meinem Netzwerkfreund Renato Kruljac. Er bietet MBSR-Kurse an, die stark nachgefragt werden. Ich will wissen, was es mit der Achtsamkeitswelle auf sich hat. Denn Achtsamkeitskurse sind stark im Trend. Burnout-Prophylaxe auch ein Schwerpunktthema im Netzwerk Work-Life-Sense!

Womit ich rechne: Im Kurs kommt es zu vielen Gesprächen unter den Teilnehmern. Und Burnout ist bei den Teilnehmern ein Wort, das oft fällt. Da ist der begeisterte Programmierer, der kein Wochenende ohne Bildschirmarbeit kennt. Der Stress treibt den Blutdruck hoch und er fühlt sich zunehmend wie gelähmt. Eine Managerin, die sich eine krankheitsbedingte Auszeit gönnt, hat neben dem Job kein Privatleben. Bei einigen ist die Sorge vor der Durststrecke in der Atemluft zu hören. Das ist ganz klar ein großer Anteil.

Doch ich stelle auch fest, dass viele vom Burnout anders sprechen. Sie beschreiben den Arbeitsplatz als Ort, wo weder Herz noch Seele eine Rolle spielen darf. Gefühlt die Hälfte der Gruppe scheint überhaupt nicht gestresst durch Überarbeitung zu sein. Sie empfinden den Job als verschwendete Lebenszeit. Ich denke mir im Stillen: Wer dauerhaft gegen das eigene Wesen arbeitet, fühlt sich entnervt und ausgelangweilt. Findet hier der Stress und die Überforderung auf anderer Ebene statt? Wie oft erkennen Burnout-Experten beim Klienten das Fehlen von Sinn?

Entfremdung oder Beziehung?

Natürlich gehe ich nicht ohne Geschäftsinteressen durch den Kurs. Ich ermahne mich: Es ist weltfremd zu glauben, dass es beim Ausgebranntsein immer um die Berufung geht. Nicht alle Ausgebrannten fühlen sich sinnentleert. Das ist auch jetzt bei dem Corona-Burnout so. Ich bin ich seit drei Jahrzehnten mit einer Frau verheiratet, die als Lehrerin Freude durch ihr sinnstiftendes Tun gewinnt. Sie zeigt auch jetzt keine Anzeichen von Burnout. „Aber Corona bringt auch mich an Grenzen“, bekennt sie kürzlich. „Die Mäuler wollen zu Hause gestopft werden“, berichtet ein Gründer, der von Soforthilfe lebt. Ja Burnout und Burnout-Risiken fordern viel Krisenkompetenz und Belastbarkeit. Achtsamkeitskurse und alles was dabei hilft, die Überforderung zu gestalten, ist ganz wichtig.

Aber mir begegnen auch die Menschen, die die Sinnfrage im Spiegel der Krise neu stellen. Und dabei betrachte ich den Sinn als die Energiequelle. Der Sinn, so wie ich ihn verstehe, ist ein Ruf der unsterblichen Seele, die sich durch die Liebe im (Berufs)Leben erfahren will. Liebe im spirituellen Sinn hat für den Beruf drei Dimensionen: In einem liebevollen Tun begegne ich mir „Selbst“. Ich begegne dem Nächsten und will für ihn etwas Sinnstiftendes tun. Dabei habe und behalte ich das größere Ganze des Lebens im Blick. Nicht selten beobachte ich bei meinen Klienten, dass die Beziehung auf einem dieser drei Ebenen fehlt. Entfremdung vom Selbst ist nicht selten die Ursache für eine Sinnkrise. Auch hier braucht es einen achtsamen Weg.

Auszeit der Achtsamkeit 

Kurse der Achtsamkeit, wie ihn heute gestresste Manager suchen, verweisen auf das Wesen des Sinns. Ich schätze den MBSR-Kurs im nachhinein sehr. Denn die Seele mag es sanft und freundlich. Bevor wir eine sinnorientierte Neuorientierung wagen, sollten wir Frieden schließen mit der eigenen Biografie. Die Sinnkrise beginnt zwar mit Zweifeln, Sorgen und psychischen Blockaden. Der innere Kritiker läuft zur Höchstform auf. Das alles hat viele Ursachen, die der Berufstätige im Burnout mit umfassender Psychotherapie bearbeitet. Das ist gut und notwendig aus meiner Sicht. Wer ein Burnout bewältigt hat, blickt auf Monate notwendiger Heilungsarbeit zurück. Nicht wenige berichten mir, dass sie als „Geheilte“ nicht mehr der oder die Alte sind. Aber etwas Neues und Tiefes ist entstanden. Dann ist die Zeit reif und ein Burnout kann dazu Wegbereiter sein: Der bisherige berufliche Weg wird mit Selbstmitgefühl reflektiert. So entsteht in meinen Klosterauszeiten die Erkenntnis, dass enorm viel Potential im Lebensweg und in den Verletzungen liegt. Die ehrliche Auseinandersetzung ist ein Prozess der Fairness. Nichts geschieht ohne Sinn. Im Zustand der Selbstliebe versöhnen wir uns mit dem Werdegang. Ein anderer Blickwinkel wird möglich. Das ist der Nährboden für den neuen Weg zur Berufung.

Work-Life-Sense für die Berufung

Der Begriff Berufung wird in unterschiedlichem Tenor genutzt. Einige Kollegen betonen den Schwerpunkt Beruf. Beruf ist Teil des Wortes und im geistlichen Umfeld wird mit Berufung ein Auserwähltsein für ein Amt verstanden. Andere wiederum sehen in der Berufung ein Auserwähltsein mit dem Schwerpunkt auf den Seelenplan. Das Entweder-Oder kommt auch hier durch: Entweder nutzen wir den Begriff staubtrocken für das eigene Business. Oder wir heben ab und kommen nur noch esoterisch daher. Als Betriebswirt und Coach knüpfe ich bei dem Wort an meine theologische Ausbildung an. Ich verbinde in meinen Berufungsworkshops wirtschaftliche und seelsorgerische Aspekte. Der Ansatz Work-Life-Sense soll verdeutlichen, dass ich die Aspekte bei der beruflichen Neuorientierung verbinden möchte. Mit der Berufung verbinden wir das Berufsleben. Eine Vision hat natürlich zum Inhalt, dass mit einer Berufung Geld verdienen werden will. Doch die Rahmenbedingungen sollten die Gesundheit erhalten und fördern. Manchmal kann die Liebe im Tun durchaus nur im Ehrenamt verrichtet werden. Die Brücke zwischen Arbeit und Leben ist dabei der Sinn: Wo ist Ihre Liebe im Tun zuhause? Wie können Sie für andere noch hilfreicher sein? Und so kommt auf mystische Weise die entscheidende universale Kraft in die Berufungsarbeit. Work-Life-Sense verschafft die Harmonie des Dreiklangs. So macht die Formulierung einer beruflich-persönlichen Lebensaussage alles Neue möglich.

Auszeit für die berufliche Neuorientierung

Die Selbsterkenntnis der eigenen Berufung ist eine Initialzündung für die Erneuerung. Da Menschen ganz unterschiedlich ticken, habe ich einen Kleingruppen- und einen Einzel-Workshop entwickelt. Einige von ihnen wollen zur Ruhe kommen und nutzen die Stille eines Klosters. Andere möchten es berufsbegleitend und suchen Tages- und Stundenangebote. Wichtig für mich jedoch bleibt, dass Besinnung, innere Bewegung und Begegnung möglich wird. Die Stille ist wichtig, um Antworten aus der Innenwelt zu erhalten. Es werden spielerische-intuitive Aufgaben gewählt, die Ihnen indirekt zeigen, was Sie aus dem Herzen heraus denken und tun wollen. Ja es ist wichtig, den Kopf zu verlassen und das Herz zu weiten. Wenn das gelingt, kommen Sie in Kontakt mit sich selbst und machen sich selbst zu einem Freund. Dabei hilft das Gespräch und die Unterstützung durch einen Wegbegleiter. Mit Hilfe des WLS Sinn-Kompass finden Sie diesen Weg zur einer sinnorientierten Neuorientierung.

Vom Burnout über die Berufung zur Mission

Die Entwicklung einer Idee für die berufliche Neuorientierung nach einem Burnout folgt der Berufung. Das aber ist nicht nur in der Sinnkrise oder nach einem Burnout hilfreich. Am Ende sind es die Umbrüche, die bereits Schulabgängern oder Absolventen begegnen. Sie wählen ein Studium aufgrund von Fremderwartungen oder weil die Abschlussnoten es nahelegen. Vor einer Berufs- oder Studienstrategie wäre auch in jungen Jahren sinnvoll, das Herz zu befragen.

In meinen Auszeitseminaren in Klöstern oder in der Einzelbegleitung überwiegen die Teilnehmer mit einer beruflichen Krise in der Lebensmitte. Burnout ist oft so ein Krise und fördert die Sehnsucht, die eigene Berufung zu erkennen und sie möglich zu machen. Die Einzigartigkeit der Berufung verweist aber nur selten auf eine Stellenbeschreibung von der Stange. Jetzt wird es zur Aufgabe, den Lebensauftrag in eine Leidenschaft zu verwandeln. Ja es braucht Schwung und Ermutigung. Es braucht jetzt besonders die Kraft, die im Burnout verloren gegangen scheint. Scheinbar! Denn in Wahrheit ist alles bereits angelegt und wartet auf die Entscheidung. Wenn eine Berufung aus der Welt der Seele entspringt, dann lässt sie sich mit den Kräften des Universums verknüpfen. Lebensfreude, Aufbruchenergie und Begeisterung entwickeln sich dann. Sie sind die Grundlage, um aus der Berufung eine positionierte Idee zu formen. Ihre Mission wird somit zu einer Aktivität, die Sie mit Kraft und Entschiedenheit tun können.

Berufliche Neuorientierung nach burnout

Guido Ernst Hannig

unterstützt als spiritueller Berufscoach mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund Menschen dabei, ihren eigenen Weg zu finden und zu erleben.

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Diplom-Betriebswirt Guido Ernst Hannig
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